Vereinschronik
Die Gründung der
Freiwilligen Feuerwehr Götzendorf
Das Feuerlöschwesen war eine Pflichtaufgabe der
Gemeinden.
In einer Statistik über das Feuerlöschwesen im
Bezirksamt Ebermannstadt vom 18. Mai 1887 zählt
Götzendorf noch zu den 23 Gemeinden des Bezirks mit
„Pflichtfeuerwehren“.
Die Mitgliederzahl belief sich auf 18
Feuerwehrmänner,
technische Geräte waren:
1 Druckspritze ohne Saugwerk, zweirädrig
2 Hanfdruckschläuche ohne Normalgewinde
Die Dienstleistungen im Jahre 1886 bestanden aus zwei
Übungen.
Der Feueralarm erfolgte mit Hornsignal.
Zur Wasserversorgung dienten ein Brunnen und der
Eggerbach.
Es dürften verschiedene Gründe vorgelegen haben, den
Feuerschutz auf Vereinsbasis zu stellen und die bis
dahin bestehenden Pflichtfeuerwehren umzustrukturieren.
Durch bessere Ausbildung und Übung konnten sich die
Wehrmänner besser auf den Brandfall vorbereiten. Jeder
Feuerwehrmann bekam seinen festen Platz mit einer
bestimmten Aufgabe. Zunehmend widmeten sich die
Freiwilligen Feuerwehren auch öffentlichen Aufgaben.
Diese Aspekte haben sicherlich auch zur
Gründungsversammlung am 20. Januar 1891 geführt.
Bürgermeister Johann Dittrich schreibt in seinem
Gründungsprotokoll:
„Bei der heutigen Versammlung der Pflichtfeuerwehr wurde
sofort beschlossen, eine freiwillige Feuerwehr zu
gründen, was auch sofort geschah, man schreitet sofort
zur Wahl der Chargen, und wurden gewählt:
| 1. |
Johann Dittrich, Bürgermeister,
als der Vorstand und Schriftführer der
freiwilligen Feuerwehr |
| 2. |
Konrad Herold, Ökonom, als
Hauptmann |
| 3. |
Johann Ochs als Bauwarth |
Welches dieselben auch durch ihre Unterschriften
bestätigen.“
Die Liste der 29 Gründungsmitglieder enthält neben
Geburtsdatum und Funktion auch den Beruf (Stand), gibt
uns somit einen Einblick in die Sozialstruktur des
Dorfes.
|
Name |
Stand |
Charge |
Hs.Nr. |
| Dittrich Johann |
Ökonom, Bürgermeister |
Vorstand |
7 |
| Herold Konrad |
Ökonom |
Hauptmann |
20 |
| Krug Johann |
Dachdecker |
Obersteiger |
13 |
| Wolf Stephan |
Schneider |
Steiger |
22 |
| Betz Johann |
Bauer |
Steiger |
10 |
| Hofmann Georg |
Bauer |
Steiger |
9 |
| Krug Georg |
Schuhmacher |
Steiger |
13 |
| Büttner Georg |
Bauer |
|
12 |
| Sebald Johann |
Bauer |
Adjudant |
16 |
| Först Johann |
Schuhmacher |
Zugführer |
5 |
| Daucher Georg |
Bauer |
|
11 |
| Siegmann Johann |
Schuhmacher |
|
14 |
| Wolfarth Georg |
Gütler |
Steiger |
3 |
| Ochs Johann |
Gütler |
Zugführer |
21 |
| Hattel Johann |
Gütler |
|
29 |
| Schick Sebastian |
Bauer |
|
19 |
| Nüßlein Georg |
Bauer |
|
4 |
| Ott Wolfgang |
Bauer |
|
25 |
| Bischof Georg |
Wagner |
|
28 |
| Wolf Johann |
Bauer |
|
1 |
| Schick Johann |
Weber |
|
18 |
| Haberberger Heinrich |
Müller |
|
15 |
| Ochs Georg |
Bauer |
|
21 |
| Schmitt Michael |
Dienstknecht |
|
15 |
| Baptistella Georg |
Bauer Hornist |
|
27 |
| Wolf Johann |
Bauer |
|
23 |
| Wolf Konrad |
Bauer |
|
23 |
| Siegmann Johann |
Schuhmacher |
|
14 |
| Goldfuß Johann |
Gütler |
|
3 |
Die
Freiwillige Feuerwehr in einem Jahrhundert
Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Götzendorf wurde
dem Bezirksamt nicht unverzüglich und ordnungsgemäß
gemeldet. Am 20. Mai 1891 erhält der Bürgermeister ein
Schreiben des Bezirksamtes mit der Anfrage, ob es sich
bei der neu gegründeten Feuerwehr um eine freiwillige
oder um eine Pflichtfeuerwehr handle. Im Falle einer
Freiwilligen Feuerwehr seien die „Statuten“ zu
übersenden und der Beitritt zum Bayrischen
Landesfeuerwehrverband sofort bei der „Bezirksfeuerwehrinspection“
zu erklären. Pflichtgemäß antwortet Bürgermeister
Dittrich mit einem „gehorsamsten Bericht“.
Nach wiederholtem gegenseitigen Schriftverkehr teilt
endgültig am 18. Juni 1891 das Bezirksamt Ebermannstadt
mit, „dass die Bildung der Freiwilligen Feuerwehr
Götzendorf zur Kenntnis genommen wurde.“
Abschließend erfolgt noch die Anmahnung, „die Mitglieder
durch fleißige Übungen zum Feuerwehrdienst
heranzubilden.“
Schon ein Jahr nach ihrer Vereinsgründung musste sich
die Freiwillige Feuerwehr Götzendorf bewähren.
Infolge eines Blitzeinschlages am 28. September 1892
brannte die Scheune des Georg Nüßlein Hs.Nr. 4 nieder.
Der Betroffene erhielt vor der Versicherung 510 Mark
Entschädigung. Schaden erlitten auch das Wohnhaus des
Johann Först Hs.Nr. 5 und die Scheune des Johann Kormann
Hs.Nr. 6.
Als eine besonders archivalische Quelle erweist sich ein
Kostenvoranschlag für ein Armenhaus mit einem Anbau zur
Unterbringung einer „Feuerwehrspritze“.
Der „Bezirkstechniker“ in Ebermannstadt unterbreitet
1894 der Gemeinde eine äußerst detailliert
aufgeschlüsselte Kostenberechnung mit Bauplan, wobei der
Vorbericht den Neubau eines Armenhauses begründet:
„Indem das jetzt bestehende Armenhaus in Götzendorf ein
altes, aus Steinfachwerk hergestelltes Gebäude ist,
sowie in einem schlechten baulichten Zustande sich
befindet und als Wohnung beinahe nicht mehr benützt
werden kann, so soll an Stelle dessen ein neues
Armenhaus, und zwar etwas vorgerückt gegen den Ortsweg
zu, hergestellt werden. Dasselbe enthält zwei
Wohnzimmer, Vorplatz, einen Anbau zur Unterbringung
einer Feuerwehrspritze, sowie eines Abortes.“
Als Material werden vorgeschlagen: Bruchsteine fürs
Fundament, Sandsteinquader fürs Mauerwerk, Backsteine
für Giebel und Zwischenmauern, Steinfachwerk für den
Anbau, Falzziegel zur Eindeckung. „Die Kosten für den
Gesamtbau betragen bei dauerhafter und solider Arbeit
2750 Mark.“
Armenhäuser haben in dieser Zeit oft Obdachlosen und
Bettlern, oft auch verarmten und kranken Mitbürgern als
Bleibe gedient. Letzteres könnte für Götzendorf
zutreffen.
Die „Aufnahms-Urkunde“ vom 10. Mai 1905 für die Gemeinde
Götzendorf zur Königlich Bayrischen Versicherungskammer
nennt ein Versicherungskapital von 3800 Mark.
Im einzelnen sind versichert:
a) Das Gemeindehaus mit Anbau 1800 Mark
b) Die Kapelle 1430 Mark
c) Zugehörungen zu b) 570 Mark
Jahresbeitrag hat die Gemeinde 4 Mark 34 Pfennig zu
entrichten.
Daß man auch schon 1908 gern nach Götzendorf zum Feiern
ging, erfahren wir aus einem Gesuch der Gemeinde an das
Bezirksamt, wonach der Krieger- und Militärverein
Drügendorf um die Erlaubnis zur Abhaltung eines
„Kriegerballes“ bittet.
Untermauert wird das Schreiben mit dem Zusatz, die
Veranstaltung solle in der „Haadlerischen Wirtschaft mit
Zulassung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr“
stattfinden.
Im Antwortschreiben wird schließlich mitgeteilt, dass im
vorliegenden Falle die „Erteilung der
distriktpolizeilichen Erlaubnis zur Abhaltung des
Kriegerballes“ nicht erforderlich ist, nachdem die
Veranstaltung sich nicht als eine „öffentliche
Tanzmusik“ darstellt.
Dem Ball stand also nichts mehr im Wege.
Einen ersten gravierenden Einschnitt ins Vereinsleben
brachte der Erste Weltkrieg. Das Dorf hatte mit Johann
Gebhardt und Martin Sebald zwei Gefallene zu beklagen.
1926 tauchen Rechnungen über die Ausrüstung der Wehr
auf. Im November bezahlt die Gemeinde 100 Reichsmark für
geliefertes Schlauchmaterial, im Dezember nochmals 46
Reichsmark für zwei 10-Meter-Hanfschläuche mit
eingebautem Gewinde.
Im gleichen Jahr löste auch in Götzendorf das
elektrische Licht die Petroleum und Kerzenbeleuchtung
ab.
Die Fahne
und das neue Heim
Am 26.11.1988 fasste die Freiwillige Feuerwehr
Götzendorf den Beschluss, ein Feuerwehrfest mit
Fahnenweihe durchzuführen.
Die neue Fahne der Jubelwehr, finanziert durch und eine
Haussammlung und Zuschüssen aus der Vereinskasse und der
Gemeinde, zeigt den Heiligen Florian und die
Götzendorfer Kapelle. Kein Motiv könnte treffender sein,
denn die Grundsteinlegung der Ortskapelle erfolgte auch
im Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr.
In Zusammenarbeit mit dem Schützenverein „Eichenlaub“
legten die Wehrmänner am 05.01.1991 das alte
Feuerwehrhaus aus dem Jahre 1973 ein.
An gleicher Stelle wird in Eigenleistung ein Gebäude
entstehen, das als Vereinsheim und Feuerwehrhaus seine
Zwecke erfüllen wird. Dieses konnte leider aufgrund
langwieriger bürokratischer Genehmigungsverfahren nicht
mehr rechtzeitig zum Fest fertig gestellt werden.
Die Patenschaft hat die Freiwillige Feuerwehr Drügendorf
übernommen. Am 20. April trafen sich zur
Patenschaftswerbung die beiden befreundeten Vereine bei
zünftiger Blasmusik.
Höhepunkt im Vereinsleben sind das alljährliche
Grillfest und das Schafkopfrennen. Wie die aufgezeigten
Aktivitäten beweisen, ist das Vereinsleben in Götzendorf
intakt, ein Zusammenhalt im Dorf vorhanden, wenn es
darum geht anzupacken.
Das konnten die Götzendorfer 1991 mit ihrem großartig
angelegten Feuerwehrfest ihren Gästen zeigen.